Mit oder ohne Corona – Prämienerhöhung 2021

Die Gesundheitskosten explodieren erneut und die Krankenkassen schlagen Alarm. Von Januar bis März 2020, also noch vor Corona, bereits um sagenhafte fünf Prozent. Verena Nold, Direktorin von Santésuisse, schliesst nicht aus, dass die Krankenkassen um eine Prämienerhöhung 2021 nicht herumkommen. Die Medikamentenpreise, die Spitzenmedizin sowie der Spitexbereich gehören laut Nold zu den grössten Kostentreibern.

Wie wird sich das Corona-Jahr auf die Prämienerhöhung 2021 auswirken?

Die Krankenkassen unternehmen grosse Anstrengungen, ihren Beitrag zur Bewältigung der Coronakrise zu leisten. Es soll vermieden werden, dass die Versicherten wegen des Coronavirus zusätzlichen, finanziellen Schaden nehmen. Die Auswirkungen von Corona auf die Gesundheitskosten sind noch nicht abschätzbar. Was wir jedoch als Tatsache zur Kenntnis nehmen müssen ist, dass  sich im ersten Quartal 2020, die Kosten im schweizerischen Gesundheitswesen um fünf Prozent erhöht haben. Eine überdurchschnittliche Prämienerhöhung 2021 wird immer wahrscheinlicher.

"Überdurchschnittlich" wäre für viele Versicherten ein riesen Schock!

Das stimmt. Im Durchschnitt steigen die Gesundheitskosten «nur» zwischen drei und vier Prozent pro Jahr. 2018 war sogar ein Jahr mit unterdurchschnittlichem Wachstum. Diese Zeiten sind offensichtlich vorbei.

Welches sind Ihrer Meinung nach die grössten Kostenverursacher?

Sicherlich gehören die Pflegeheime dazu, aber auch Physiotherapien oder ambulante Spitalaufenthalte schlagen massiv zu Buche.

Sie sagen man müsse das Wachstum losgelöst von Corona betrachten. Können Sie bereits eine Schätzung wagen, was den Kosteneinfluss der Pandemie betrifft?

Das hängt ganz davon ab, wie viele Menschen sich noch infizieren werden, wie viele Spitalbehandlungen daraus resultieren und wie viel Patienten Intensiv behandelt werden müssen. Gerade die Behandlungen auf der Intensivstation fallen sehr stark ins Gewicht: Ein Bett auf der Intensivstation kostet über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen, leicht bis zu 120 000 Franken.

Einige Fachleute befürchten das durch Corona eine "Kostendelle" zurückbleibt.

Natürlich liegt uns das finanzielle Wohl der Versicherten am Herzen. Eine Prämienerhöhung 2021 gilt es daher, wenn immer möglich, zu vermeiden. Ob es die von ihnen angesprochene «Delle», tatsächlich gibt, wird sich in den kommenden Jahren weissen. Es kann gut passieren, dass die Kosten einfach nur verlagert werden. Wenn beispielsweise stationäre Eingriffe nur hinausgeschoben wurden, fallen zwar die absoluten Kosten unseres Gesundheitswesens, höher aus als geplant, die Krankenversicherer haben jedoch Reserven von acht Milliarden Franken angespart (was etwa 3.5 Monatsprämien gleichkommt), mit denen sich die zusätzlichen Kosten der Corona-Krise locker finanzieren liesen. Für die Bekämpfung der Pandemie ist somit ausreichend Geld vorhanden. Darum: Werden wir von einer zweiten Infektionswelle verschont, müssen die Kassen ihre finanziellen Reserven nicht aufstocken.

Das hört sich schwer nach einer bevorstehenden Prämienerhöhung 2021 an.

Wir möchten in diesen schwierigen Zeiten die Versicherten in der Schweiz nicht noch mehr belasten. Aber es liegt nicht allein in unserer Hand. Entscheidend wird die Gesamtkostenentwicklung sein. Ich kann darum das Szenario einer Prämienerhöhung 2021 leider nicht ausschliessen. Das die Kosten, wie bereits erwähnt, seit Jahresbeginn überdurchschnittlich gestiegen sind hat auch uns überrascht. Die Krankenkassenprämien werden auf Basis der erwarteten Kostenentwicklung 2021 errechnet. Die entsprechenden Kalkulationen der Krankenkassen müssen bis Ende Juli dem BAG zur Prüfung und Genehmigung eingereicht werden.

Die Aufgabe der Kassen ist das Bezahlen von Rechnungen. Gibt es diesbezüglich spezielle Auflagen?

Die Kernaufgabe besteht tatsächlich darin, die Finanzierung unseres Gesundheitswesens sicher zu stellen. Um dies zu gewährleisten, haben sich die Krankenversicherer an ihre Notfallpläne gehalten. So werden Rückerstattungen von Leistungen rasch möglichst überwiesen und Rechnungen von Spitälern Apotheken umgehend bezahlt. Selbst Video-Konsultationen sind möglich. Das aufwendige Prüfverfahren für ganz teure Medikamente bezüglich der medizinischen Notwendigkeit wird beschleunigt – im Zweifelsfall wird zuerst bezahlt und dann gefragt.

Viele von der Schliessung bedrohten Regionalspitäler erfreuen sich von Seiten der Bevölkerung und der Politik steigender Beliebtheit. Halten Sie es für möglich, dass die Corona-Pandemie zu einem Umdenken führen wird?

Eher nicht. Corona hat uns klar aufgezeigt, wie wichtig hoch spezialisierte Medizin ist. Es lag ja nicht daran dass wir zu wenige Betten hatten, wir hatten nur nicht die richtigen. Einige dieser Regionalspitäler haben nur Patienten aufgenommen, um die grossen, spezialisierten Einrichtungen zu entlasten und Platz für Corona-Betroffene zu schaffen. Im Grossen und Ganzen müssen wir unserem Gesundheitswesen ein Riesen Kompliment machen. Gemeinsam mit Bund und Kantonen haben wir die Krise bisher hervorragend gemeistert.

Sie stellen also ein guten Zeugnis aus?

Bis auf einen kleinen Kritikpunkt, hat der Bundesrat einen fantastischen Jobgemacht. Bezüglich der Pandemiepläne bestehen jedoch noch offene Fragen, welche dringender Klärung bedürfen. Zum Beispiel muss künftig garantiert sein, dass wir zu jeder Zeit, in genügender Anzahl über die notwendigen Schutzmaterialien verfügen, um die Bevölkerung zu schützen.

Welche Lehren können wir aus dieser Krise ziehen?

Die Schweiz hat im europäischen Vergleich, mit Abstand die höchsten Medikamentenpreise. Hierzulande bezahlt man für Medikamente – die übrigens in China hergestellt werden – wesentlich mehr als in den Nachbarstaaten. Und doch ist es vereinzelt zu Versorgungsengpässen gekommen! Teure Preise sind ein schlechter Schutz gegen einen möglichen Engpass. Viel wichtiger wird es in Zukunft sein, einen Notvorrat an wichtigen Medikamenten anzulegen. Jedoch gibt es nun wirklich keinen Grund, weshalb die Medikamentenpreise doppelt so hoch sein sollen wie bei unseren französischen oder deutschen Nachbarn.

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11. Mai 2020

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